"Was sprichst du?" Frauen- oder Männersprache?

Leistungskurs Deutsch gewinnt 2000 Euro

"Du kannst mich einfach nicht verstehen!" - dieser verzweifelte Ausruf steht exemplarisch dafür, dass Männer und Frauen im Alltag oft aneinander vorbeireden.

Er wurde zum Ausgangspunkt einer Projektidee des Leistungskurses Deutsch der Jahrgangsstufe 12 am Kevelaerer Kardinal-von-Galen-Gymnasium, der von Jörg Schnatz unterrichtet wird.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte gemeinsam mit dem Bremer Haus der Wissenschaft im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 einen Wettbewerb für Hochschulen zum Thema "Geist begeistert" und für Gymnasien, Real-und Gesamtschulen den Wettbewerb "Was sprichst du?" ausgeschrieben.

Präsentation der Siegerurkunde

Siebenköpfige Fachjury

Die Kevelaerer Schülerinnen und Schüler hatten sich zwei Wochen lang mit Missverständissen und Kommunikationsproblemen zwischen den Geschlechtern beschäftigt, hatten Alltagssituationen nachgestellt, fotografiert und zu einem Fotoroman verarbeitet. Eine Bildfolge etwa zeigt ein Paar, dessen Urlaubsplanung daran scheitert, dass beide mit dem Wort "Urlaub" völlig verschiedene Vorstellungen verbinden.

In der entsprechenden Jury arbeiteten neben Prof. Dr. Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Dr. Reimund Albers von der Universität Bremen u.a. auch Dr. Susanne Becker vom Berliner Friedrich Verlag. Aus den zahlreichen Projektumsetzungen, die eingereicht wurden, wählten sie die besten siebzig Arbeiten aus, die jeweils mit einem Preisgeld in Höhe von zweitausend Euro ausgezeichnet wurden. "Unser Ziel war es zu zeigen, dass Wissenschaft auch Spaß machen kann und wissenschaftliche Erkenntnisse unterhaltsam vermittelt werden können", berichtet die Oberstufenschülerin Laura Jonas. Denn neben der kreativen Arbeit lasen die Schülerinnen und Schüler auch wissenschaftliche Texte zum Thema und maßen sie kritisch an ihren eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Dabei stimmten sie nicht immer mit den Thesen bekannter Sprachwissenschaftler, wie Deborah Tannen, überein. "Die These, dass es Männern um Selbstbehauptung geht, Frauen hingegen um Bindung, verallgemeinert zu stark. Je nach Situation kann es genauso umgekehrt sein", meint die 18-jährige Christina Kaminski. Tannens Hauptthese, Kommunikation zwischen Männern und Frauen sei interkulturelle Kommunikation, sahen die Schülerinnen und Schüler am Ende des Projektes nicht bestätigt.

Gute Zusammenarbeit

"Das Projekt hat auch gezeigt, wie wichtig es ist, wissenschaftliche Texte kritisch zu lesen", resümiert Deutschlehrer Jörg Schnatz.. "Ich freue mich sehr über den Preis, denn der Kurs hat wirklich gut zusammengearbeitet. Einige haben fotografiert, andere haben geschrieben und ein Planungsteam hat die Beiträge zu einer informativen Broschüre verarbeitet." Die Ergebnisse der Projektarbeit sind demnächst auf der Homepage der Schule zu sehen.