Die Theater-AG der Oberstufe des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums Kevelaer führt auf

 

 

Die Theater-AG der Oberstufe des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums führte am Di., dem 17., und Mi., dem 18.09.2019, unter der Leitung von Frau Cepok und Herrn Verheyen das Stück „Gnadentod“ von Ingrid Storz auf.  „Gnadentod“ ist ein Stück, in dem Ingrid Storz Teile ihrer Familiengeschichte, konkret die Geschehnisse um ihren Großvater im Dritten Reich, niedergeschrieben hat.

 

Beide Aufführungen fanden jeweils um 19:30 Uhr (Einlass 19:00 Uhr) im Konzert- und Bühnenhaus der Stadt Kevelaer statt. 

 

Im gut besuchten Bühnenhaus erlebten die Zuschauerinnen und Zuschauer zwei intensive Theaterabende bei einer Aufführung, die durch ihre bedrohliche, depressive Grundstimmung nachdenklich stimmte und niemanden im Publikum kalt ließ.

 

Die Schauspielerinnen und Schauspieler bewiesen Mut und übernahmen Verantwortung, indem sie es schafften Rollen anzunehmen und auszufüllen, die in Verbindung mit ihrem Lebensalter ihren realen Empfindungshorizont weit übersteigen und ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte aufzeigen. Hirnlose Technokraten einer Unterdrückungs- und Tötungsmaschinerie darzustellen, ist eine Herausforderung. Sich in die Not und die emotionale Zeit hineinzuversetzen sowie Gefühle im Angesicht des Todes eines geliebten Menschen auszudrücken ebenso. 

 

Der Hauptprotagonist  Eugen Bitter wird zu Beginn des Stücks um den Schlaf gebracht. „Ich kann seine Augen nicht vergessen, was habe ich dir getan, warum tötest du mich?“, dies sind die Worte, mit denen Eugen Bitter aus dem Schlaf gerissen wird und die die Zuschauer in die Geschichte hineinnehmen. Eugen Bitter hat den Ersten Weltkrieg überlebt, weil er einfach schneller geschossen hat. Ein Granatsplitter in seinem Kopf und traumatische Bilder sind geblieben. Über den Versuch, seinen ihn immer schlimmer quälenden Granatsplitter entfernt zu bekommen, gerät Eugen Bitter in die Fänge einer Psychiatrie, die willkürlich Entscheidungen über Leben und Tod vornimmt. Anstelle einer helfenden Operation erhält er den „Gnadentod“. Konkret: Er wird in ein Vernichtungslager gebracht.

 

In kurzen Sequenzen schildert „Gnadentod“ das Leben einer Durchschnittsfamilie vor Kriegsausbruch und während des Zweiten Weltkrieges. Vater, Mutter, zwei Kinder finden sich in einer Maschinerie des Grauens wieder, die Feindbilder erzeugt, Freundschaften vor die Zerreißprobe stellt, Idealismus zerstört, Menschen aufgrund ihrer Abstammung das Existenzrecht abspricht und letztlich auch nicht davor haltmacht, legitimiert durch harte Regeln, über Wert oder Unwert menschlichen Lebens zu entscheiden.

 

Sogar Eugens Sohn Max Bitter ist zunächst so vom Ideologiegewirr der Nazis infiziert, dass er bereit wäre, den eigenen Vater zu denunzieren. 

Dieses Stück ist, unter anderem durch immer noch aktiven Rechtsextremismus, unverändert aktuell.  Es ist ein schweres und ernstes Stück, das dem Publikum nachhaltig in Erinnerung bleiben und durch die Theater AG der Oberstufe hervorragend umgesetzt wurde.

Wir danken allen Mitgliedern sowie Frau Cepok und Herrn Verheyen für zwei intensive und gelungene Theaterabende!

 

 

Besetzung

Eugen Bitter: Tabea Lamshöft

Eugenie Bitter: Oliwia Puzik / Athena Riegel

Lena: Sina Stellmacher / Leona Minor

Max: Gabriel Lehnen

Heinrich Schneider: Julian Schick

Michael Neumann: Greta Binn

Martin: Niklas Muellemann

Walter: Cellina Hardt

David Goldbaum: Lynn Hendricks

Frau Dr. Hoffmann: Marie Schmelzer

Erster SS-Mann: Maria Gretkowski

Zweiter SS-Mann: Marie Schmelzer

Sarah: Cellina Hardt

Doris: Leona Minor

Dr. Ritter: Oliwia Puzik

Dr. Maier: Sina Stellmacher

Kurt: Maria Gretkowski

Hubert: Niklas Muellemann

Erster Gestapo-Mann: Marie Schmelzer

Zweiter Gestapo-Mann: Maria Gretkowski

Erster Krankenpfleger: Maria Gretkowski

Zweiter Krankenpfleger: Cellina Hardt

 

Schaffner: Athena Riegel

 

 

Katrin Boland,

19.09.2019