Besuch von Zwölf Zeitzeugen aus Polen

 

„Versöhnen ist wichtig“

 

Zwölf Zeitzeugen besuchten am 28.06.2018 das Kardinal-von-Galen-Gymnasium und haben sich den Satz "Versöhnen ist wichtig" zu ihrer Aufgabe gemacht. Zunächst schilderten sie den Schülerinnen und Schülern des Geschichtsleistungs- und Grundkurses der Jahrgangsstufe Q1 und der Jahrgangsstufe 9 ihre Erlebnisse während des Nationalsozialismus und ihrer Zeit im Konzentrationslager. Die Schülerinnen und Schüler verfolgten gebannt und teilweise sehr bewegt den Erzählungen der polnischen Zeitzeugen.

 

In der Zeit zwischen dem 24. Juni und dem 6. Juli ist eine Gruppe von 12 polnischen KZ-Überlebenden auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes in Kleve zu Gast. Während ihres Aufenthaltes besuchten sie am 28. Juni unsere Schule.

Die Zeitzeugen waren als Kinder oder Jugendliche in den Konzentrationslagern Majdanek, Auschwitz oder Potulice interniert und berichteten den Schülern sehr ruhig aber dennoch auch sehr emotional ihre Erlebnisse. 

Die Zeitzeugen hatten etwas gemeinsam: sie wurden interniert, weil sie Polen waren. Einige hatten politisch engagierte Eltern und waren deswegen in den Fokus geraten, andere wiederum sollten „eingedeutscht“ werden. 

 

Eine Zeitzeugin, Frau Jadwiga Wakulska wurde sogar in Auschwitz geboren. Sie berichtete über ihr dortiges Leben und dass sie Glück hatte zu überleben. Sie erläuterte den Schülern was die Neugeborenen normalerweise für ein Schicksal in Auschwitz zu erwarten hatten: sie wurden sofort getötet. An dieser Stelle hielt Frau Wakulska kurz inne und zählte kurz darauf die verschiedenen Methoden der Ermordung auf. 

Doch auch nach der Befreiung von Auschwitz war ihr Leid noch nicht beendet. Ihre Mutter brachte sie in eine Krippe, um ihre Heimat und Überlebende aufzusuchen. In dieser Krippe verbrachte sie einige Zeit und wurde schließlich von einer Familie adoptiert. Sie erfuhr erst viel später, dass ihr Mutter nicht ihre leibliche Mutter war. Daraufhin machte sich auf die Suche nach ihrer Mutter und nach 30 Jahren Suche kam es zu einem Wiedersehen. Ihre Mutter wollte sie damals aus der Krippe zu sich holen, aber da war sie bereits adoptiert worden.

Als ständige Erinnerung hat sie auf ihrem Oberschenkel, wie es damals in Auschwitz bei Kindern üblich war, ihre „Häftlingsnummer“ auf dem Oberschenkel eintätowiert.

 

Ein anderer Zeitzeuge erzählte auch von seiner Zeit in Auschwitz und wie er dort von Dr. Josef Mengele „behandelt“ wurde. Er kam mit einer Lungenentzündung zu Mengele. Aufgrund seines Aussehens (rot-blonde Haare und blaue Augen) und der Größe, entschied sich Mengele ihn zu behandeln. 

Nachdem er sich erholt hatte, führte Mengele seine berüchtigten Experimente an ihm durch. Mengele strich ihm eine Salbe auf die Augen. Diese Salbe sollte dazu beitragen die Augen noch blauer zu machen. 

Aufgrund dieses Augenexperiment hat er ein Auge verloren und auf dem anderen ist seine Sehkraft sehr gering. 

 

Ein weiterer Zeitzeuge berichtete von seinem Aufenthalt in dem KZ Majdanek. Er erinnerte sich an einen sehr heißen Sommer, in dem von den Baracken der Teer aufgrund der Sonnenstrahlen herunterlief und sie mussten in diesen Baracken leben, ohne groß Essen und vor allem Trinken zu haben. Eine Folge dieser Hitze und mangelnder Ernährung war, dass viele Mitgefangene verstorben sind. Die Leichen von diesen Menschen wurden auf dem Appellplatz gelegt und erst später weggebracht. 

 

Dieses sind nur drei von zwölf Schicksalen polnischer Internierten und sie zeigen einmal mehr das unmenschliche System des Nationalsozialismus. 

Für die Schüler war es eine neue und intensive Erfahrung, da sie zum einen mit so vielen Zeitzeugen in Kontakt treten konnten und zum anderen, dass verdeutlicht wurde, dass neben Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle usw., auch die polnische Bevölkerung in Konzentrationslager interniert wurde, nur weil sie Polen waren oder deren Familien einer politischen Aktivität nachgingen. 

 

Im Anschluss an die jeweiligen Berichte hatten die Schüler die Möglichkeit erhalten Fragen zu stellen. Diese Fragen wurden auch sehr gerne und ausführlich von den Zeitzeugen beantwortet.

 

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal recht herzlich bei den Zeitzeugen Janina Ziemnik, Grzegorz Tomaszewski, Aniela Mamczar, Arleta Izdebska, Jadwiga Wakulska, Jurek Paul, Janina Michalik, Anton Domański, Barbara Kruczkowska, Anna Szafraniec, Katarzyna Opydo und Genewefa Makara,  und dem Maximilian-Kolbe-Werk für diese bewegenden zwei Stunden bedanken.

 

 

Stefanie Kröselberg,

29.06.2018