Besuch der Zeitzeugin Frau Eva Weyl

„Werdet meine Zweitzeugen“

 

Die Zeitzeugin Eva Weyl besucht am 18.04.2018 das Kardinal-von-Galen-Gymnasium 

 

 

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 und andere Interessierte verfolgen gebannt den Vortrag von Frau Weyl, Überlebende des Durchgangslagers / Konzentrationslager Westerbork (Niederlande), die bereits zum fünften Mal am KvGG zu Besuch ist. 

 

Unter Bezugnahme auf persönliche Fotos und historische Dokumente erzählt die 82jährige Eva Weyl, die als eine der wenigen niederländischen Juden den Holocaust überlebte, ihre Geschichte. 

Für ihr besonderes Engagement erhielt Frau Weyl im Januar diesen Jahres auf Vorschlag der Landesregierung NRW das Verdienstkreuz am Bande.

 

In Kleve besaß ihre Familie ein großes Kaufhaus (heute Kaufhof), welches sie aufgrund der Flucht vor den Nationalsozialisten aufgeben musste. Die Familie emigrierte in der Hoffnung auf Sicherheit in die Niederlande, da die Niederlande während des Ersten Weltkrieges neutral geblieben war, doch diese Hoffnung wurde schnell zunichte gemacht, da die Nationalsozialisten am 10. Mai 1940 in die Niederlande einmarschierten und auch dort ihre judenfeindliche Politik betrieben, indem sie Juden und andere Bevölkerungsgruppen in Konzentrationslager „inhaftierten“. In das Kamp Westerbork, welches vorher als „Zentrales Flüchtlingslager Westerbork“ fungierte und nach dem Einmarsch der Wehrmacht zu einem „polizeilichen Judendurchgangslager Kamp Westerbork“ umfunktioniert wurde, kam im Jahr 1942 die sechsjährige Eva Weyl mit ihrer Familie. Diese Deportation bedeutete für die Familie ein weiteres Mal den Verlust ihres Hab und Gutes, sowie viele Entbehrungen. Das Kamp Westerbork galt als Durchgangslager, in welchem einmal pro Woche, wie auf der Wannsee-Konferenz beschlossen, ca. 1000 Insassen des Lagers einen Zug Richtung Osten, zu den Vernichtungslagern Sobibor oder Auschwitz, besteigen mussten. Auf den Listen für diese Transporte stand z.B. auch Anne Frank. 

Mit viel Glück entkam die Familie Weyl mehrmals diesen Transporten. Eva Weyl verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in diesem Durchgangslager und erlebte mit ihrer Familie die Befreiung durch kanadische Soldaten. 

Frau Weyl hat es sich zur Aufgabe gemacht Schüler, Lehrer und auch die breite Öffentlichkeit zu Zweitzeugen zu machen, so dass ein „zweites Auschwitz“ nie wieder möglich wird. 

 

Sie verweist immer wieder darauf, dass die Anwesenden, ihre Eltern und Großeltern nichts mit diesen Ereignissen zu tun haben, sie aber eine wichtige Aufgabe haben: die Erlebnisse, die sie heute erzählt bekommen weiter zu erzählen als Zweitzeugen, da es leider immer weniger Zeitzeugen gibt.  Frau Weyl fordert die Schüler dazu auf sich gegen Ausgrenzung zu wehren und jeden Menschen zu akzeptieren, egal welcher Religion, Hautfarbe, Sexualität usw. er angehört.

Nach ihren Ausführungen bekamen die Schüler die Gelegenheit Fragen zu stellen, die Frau Weyl allesamt bereitwillig beantwortete. 

 

Die Schüler fanden es bewundernswert, dass Frau Weyl ihren Frieden mit Deutschland gemacht hat und immer wieder ihre Erlebnisse erzählt, um die Menschen über diese Zeit aufzuklären und vor einer Wiederholung zu warnen. Aus diesem Grund ihr Appell an die Schüler „Ihr habt keine Schuld an der Vergangenheit, aber eine große Verantwortung für die Zukunft. Lasst euch nicht von den Menschen das Gehirn vernebeln, sondern denkt nach, erinnert euch an mich und an dieses Treffen.“ 

 

Auf die Frage einer Schülerin, ob Sie Angst vor dem aufsteigenden Antisemitismus in Deutschland habe, antwortet Frau Weyl, dass sie keine Angst mehr habe und auch weiterhin offen als Jüdin lebt, obwohl sie A-Religiös sei, dieses sei schließlich auch eine Besonderheit im Judentum: man bleibt immer Jude, auch wenn man katholisch werden würde. Mit diesen Worten beendet Frau Weyl ihren Besuch und im Anschluss kommen noch einzelne Schüler zu ihr und fragen sie noch etwas oder bedanken sich für ihr Kommen und ihr Engagement. Frau Weyl beantwortet auch diese Fragen sehr gerne und nimmt gerührt die Komplimente entgegen. 

 

 

 

 18.04.2018,

Stefanie Kröselberg