„Wir müssen kämpfen, für Frieden und Freiheit!“

 

Am 20. April 2021 fand ein Online-Zeitzeugengespräch mit Esther Bejarano statt. Knapp zweihundert Menschen, darunter viele interessierte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis Q2 des KvGG, nahmen über das Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB) an einem digitalen Zeitzeugengespräch mit Frau Esther Bejarano, einer der letzten Überlebenden des Holocaust, teil. 

 

Der Tag hatte für die Holocaust-Überlebende eine besondere Bedeutung, da sie genau vor 78 Jahren im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau angekommen war. Esther Bejarano hätte daran zerbrechen können. Sie war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau verschleppt wurde.  Doch die Nazis konnten Esther Bejarano, die damals noch Loewy hieß, nicht brechen. Sie wollte unbedingt überleben, erzählt sie 80 Jahre später. Und das motiviert sie bis heute. 

Die heute 96-Jährige ist Mitglied einer Band gegen rechts, die sich „Microphone Mafia“ nennt, und sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Geschichte zu erzählen, damit die Geschehnisse der Naziherrschaft niemals in Vergessenheit geraten.

Nachdem Frau Bejarano sich im Krieg von ihrer Familie trennen musste, verschleppte man sie in ein Sammellager in Berlin, aus dem sie dann 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Bevor sie in das Mädchenorchester dort aufgenommen wurde, verrichtete sie im Konzentrationslager schwere Feldarbeit. Aufgrund ihrer „arischen“ Großmutter überführte man sie aus dem Vernichtungslager in das Arbeitslager Ravensbrück. Dort arbeitete sie bei Siemens, bis das Lager 1945 evakuiert werden musste. Sie entkam mit sechs Freundinnen auf dem Todesmarsch. Im August 1945 wanderte Frau Bejarano nach Palästina aus, wo sie ihren Mann kennenlernte. 1960 kehrte sie mit ihrem Mann und den Kindern nachDeutschland zurück. Sie ließen sich in Hamburg nieder. 

Alle Teilnehmer am Online-Zeitzeugengespräch zeigten sich zutiefst beeindruckt, mit welch großem persönlichen Einsatz Frau Bejarano bis heute ihr Anliegen vertritt, an die furchtbaren NS-Verbrechen, vor allem aber an die Menschen, die diesen zum Opfer gefallen sind, zu erinnern und, in die Zukunft gerichtet, Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen

 

Durch die Veranstaltung führte Frau Birgit Mair vom Nürnberger Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. (https://www.die-letzten-zeugen.de)  das seit seinem Bestehen 2004 mehr als dreihundert Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden organisiert hat. Sie präsentierte im ersten Teil der Veranstaltung Fotos und Dokumente aus dem Leben der 96-jährigen Zeitzeugin. Im Anschluss daran wurde Esther Bejarano über Telefon zugeschaltet und beantwortete die zahlreichen Fragen aus dem Publikum.

 

Als Schule mit dem Zertifikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist es dem KvGG, vor allem vor dem Hintergrund des wieder neu aufkommenden Antisemitismus bzw. der stärker werdenden Fremdenfeindlichkeit, ein großes Anliegen Schülerinnen und Schülern das Angebot machen können, Geschichte hautnah zu erleben und damit die Erinnerungen an die Schrecken an dieses dunkle Kapitel hochzuhalten sowie Lehren für die heutige Zeit zu ziehen.

 

Aus diesem Grund hat sich die Schule entschlossen, die Arbeit von Frau Mair und dem ISFBB finanziell zu unterstützen und spendete im Anschluss an die Veranstaltung 150€ für das Projekt „Die letzten Zeugen“.

 

„Ich muss jetzt was machen und meine Geschichte erzählen“, so kämpfen die letzten Überlebenden des Holocaust gegen Antisemitismus, Rassismus, Gewalt und Krieg. Das Ziel des IFSBB in den kommenden Jahren noch möglichst vielen Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit zu geben, mit Holocaust-Überlebenden ins Gespräch zu kommen, verdient Anerkennung und Respekt sowie jede Unterstützung.

 

Wir danken Frau Bejarano von Herzen, dass sie die Vergegenwärtigung dieser Erinnerungen erneut für ein Zeitzeugengespräch mit Schülerinnen und Schülern auf sich genommen hat. Ein großer Dank gilt Frau Kröselberg und Herrn Lauks, die den Kontakt zu Frau Mair vom ISFBB hergestellt und so die Teilnahme unserer Schule ermöglicht haben. 

Gerade die Begegnung mit Überlebenden verdeutlicht den Schülerinnen und Schülern intensiver als jedes Unterrichtsgespräch und es jeder Film vermag, welche Verbrechen zu Zeiten des Nationalsozialismus stattgefunden haben und dass so etwas nie wieder passieren darf.

 

 

 

Katrin Boland, 

06.05.2021