Zeitzeugin Eva Weyl zu Gast am KvGG

 

 

Die Zeitzeugin Eva Weyl kam am Mittwoch, dem 29.02.2020, zum wiederholten Male an unsere Schule. Ihr Besuch ist bereits eine wertvolle Tradition. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 folgten gespannt und betroffen der Geschichte der Familie Weyl.

 

 „Ihr seid jetzt meine Zweitzeugen." Mit diesem Wortspiel verdeutlichte Frau Weyl nach ihrem Einstieg mit einer Bildergeschichte über Auschwitz, was die Aufgabe der Nachkriegsgenerationen in Gedenken an den Holocaust ist. „Wir Überlebenden sind alle alt und leben irgendwann nicht mehr. Dann ist es eure Aufgabe zu erinnern und dafür zu sorgen, dass so etwas nie mehr passiert. Ihr habt natürlich keine Schuld, aber eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft.“

 

Die Schülerinnen und Schüler erfuhren zunächst etwas über die Geschichte der Familie Weyl in Kleve und die Familie ihrer Mutter, die aus Freiburg stammte.

Im Anschluss zeigte Frau Weyl das Kaufhaus ihrer Familie und schilderte die Flucht nach Arnheim, wo sie 1935 geboren wurde. Ihre Familie väterlicherseits waren gläubige Juden, mütterlicherseits führte die Familie ein eher christliches Leben, feierte Weihnachten und Ostern.

Schließlich schilderte Frau Weyl Stationen bis zu der Deportation der Familie in das Durchgangslager Westerbork. Für das Kind Eva Weyl war diese Fahrt zunächst ein Abenteuer, bis sie in Westerbork von dem Vater getrennt wurde, da er durch die strikte Trennung zwischen Männern und Frauen in einer anderen Baracke leben musste. 

In den ersten neun Monaten gab es keinerlei Privatsphäre; danach erhielt die Familie ein kleines Haus, in dem Feste gefeiert und Kontakte zu anderen Familien gepflegt wurden, die noch bis zu deren Tod bestanden. Westerbork war in vielerlei Hinsicht ein Vorzeigelager: Eine Schule, ein Krankenhaus, Arbeit, Essen usw. waren vorhanden. Es war das einzige Lager, in dem eine Grundschule ordnungsgemäß geführt wurde. Auch kulturelle Veranstaltungen fanden statt, vor allem für den Lagerkommandanten Albert Gemmeker.

 

In diesem Zusammenhang erfuhren die Schülerinnen und Schüler von dem perfiden Plan des Lagerkommandanten Gemmeker, die in Westerbork untergebrachten Juden in Sicherheit und Normalität zu wiegen, um so einen störungsfreien Abtransport in die Vernichtungslager im Osten realisieren zu können. Im Anschluss wurden der Lagerkommandant Gemmeker und seine Beweggründe ausführlich beschrieben. Lediglich glückliche Zufälle sorgten dafür, dass die Familie Weyl nicht deportiert wurde. Abschließend erzählte Frau Weyl von ihrer Zusammenarbeit und Freundschaft mit der Enkelin von Gemmeker, Anke Winter. Dies eröffnete den Schülerinnen und Schülern eine weitere Perspektive hinsichtlich der Thematik: die der Bewältigung des Traumas von Angehörigen eines Täters. Frau Weyl zeigte einen Ausschnitt aus einer Dokumentation über das Leben von Gemmeker, in der seine Enkelin zu Wort kommt und sich mit den Gräueltaten ihres Großvaters auseinandersetzt.  In diesem Zusammenhang und an vielen weiteren Stellen des Vortrags wies Frau Weyl eindringlich darauf hin, dass niemand verantwortlich für die Taten seiner Vorfahren in der Vergangenheit sei - jeder sei jedoch dafür verantwortlich, wie man mit der Vergangenheit umgehe und was man aus ihr lerne. Der Vortrag endete mit einem Bild, auf dem „Rassismus für Dumme“ erklärt wird: „Wir sehen alle anders aus, aber im Inneren sind wir alle gleich.“

 

Der große Applaus und die folgende Fragerunde zeigten deutlich, dass Frau Weyl die Herzen der Schülerinnen und Schüler erreicht und diese sehr beeindruckt hatte.  Wir danken Frau Weyl für ihren bewegenden Vortrag und die Begegnung mit Geschichte und Verantwortung. Ein großer Dank gilt auch Frau Kröselberg für die Organisation dieser Veranstaltung!

 

 

Katrin Boland,

31.01.2020